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Ed Starink


..:: Ed Starink - Interview ::..

Das Interview wurde am 13. September 2001 in deutscher Sprache geführt.

Andreas: Hast Du eine spezielle Inspirationsquelle?

Ed: Das hängt von der Arbeit ab, die ich mache. Als ich Filmmusik gemacht habe war das etwas anderes als wenn ich Synthesizermusik gemacht habe. Aber im großen und ganzen hängt es natürlich von meiner Ausbildung ab. Ich habe täglich Piano studiert und geübt, das braucht man, um die Piano-Diplome zu bekommen. Ich habe "Piano A" und "Piano B" ? da habe ich mich mit klassischer Komposition beschäftigt, aber zur selben Zeit habe ich auch weiterhin im Studio, in dem ich seit meinem 15. Lebensjahr dabei war, an modernen Produktionen mitgewirkt. Damals gab es nur 4 Studios in Holland und bei einem Großteil der Produktionen war ich gleich dabei und es hat sich nicht wieder geändert.

Ed Starink with Andreas

Am Anfang war die klassische Musik und auf der anderen Seite spielte ich dann mit bekannten Musikern z.B. am Synthesizer - das war das Geschäft. Eine Antwort auf die Frage ist also, daß ich in zwei Welten lebe und im Prinzip war meine Inspirationsquelle die klassische Musik. Das hat sich später etwas verschoben als eine andere Arbeit kam und jetzt kommt es aber wieder zurück. Das ist in meinem Kopf und das kommt immer wieder zurück. Meine konkreten Inspirationsquellen sind vor allem die klassischen Komponisten Mozart, Bach und Skrjabin. Die drei sind im Prinzip mein "tägliches Brot", mit denen ich mich jeden Tag eine Weile beschäftige. Das ist eine Quelle über alle Jahre hinweg und natürlich hängt es auch von der Arbeit ab, den Menschen die man trifft usw.

Eine weitere Quelle für den Bereich der Synthesizermusik ist nicht Jarre oder Vangelis gewesen, sondern Tomita. Das war in dieser Zeit meine Inspirationsquelle - in der Pionierzeit der Synthesizermusik. Von der Arbeit Tomitas habe ich mehr gelernt als etwa von Vangelis oder Jarre.

Andreas: Ist deine Frau auch eine Inspirationsquelle, eine Muse für Dich?

Ed: Ja, das ist sie.

Andreas: Mit welchen von deinen eigenen Kompositionen bist Du am meisten zufrieden?

Ed: (lacht) Ich bin nicht der Typ, der sagt, das ist ein Titel der mir gefällt oder nicht. Es ist meine Arbeit und ich schreibe z.B. einen ganzen Tag oder eine ganze Woche an einem neuen Titel und wenn ich dann beispielsweise zum Essen gehe, dann ist es weg. Ich habe das in meinem Studium gelernt. Ich arbeite, egal ob meine eigenen Kompositionen oder Titel anderer, und dann bin ich ganz darin vertieft und wenn ich aufhöre, dann ist es weg. Strawinsky ist diesbezüglich mein großes Vorbild wie man Musik machen sollte: man setzt sich hin, nimmt einen Bleistift und beginnt mit seiner Arbeit.

Mit "Cristallin" zum Beispiel wollte ich die damalige Musikwelt mit etwas neuem bereichern, in dem ich klassische Komposition mit Synthesizermusik kombinierte. Ähnlich wie auch Wendy (Walter) Carlos, die ich auch als ein gutes Vorbild bezeichnen würde. Ich mag das Album "Cristallin" in meiner damaligen Schaffensperiode. Das könnte ich heute nicht mehr komponieren. Das ist eine bestimmte Periode und die ist vorbei und heute bin ich in einer ganz anderen Periode der Musik. Ich kann nicht wirklich ein Urteil darüber bilden, denn das ist für mich ein anderer Ed Starink als heute. Für mich ist das Nostalgie - mehr kann ich darüber nicht sagen.

Andreas: Aber du warst schon zufrieden und stolz auf deine Arbeit?

Ed: Ob es ein Titel von Jarre ist, was ich nicht mag, oder von anderen Komponisten: ich mag es, wenn ich sage "das ist es - fantastisch". Das ist immer meine Grenze für alles gewesen und das ist auch bei meinen eigenen Kompositionen so. Ich höre nie wieder etwas ab - wenn etwas fertig, dann ist es fertig.

Andreas: Hast Du jemals darüber nachgedacht, Filmmusik zu komponieren?

Ed: Ja, ich habe darüber nachgedacht, aber das ist nichts für mich. Man hat mich das sehr oft gefragt, auch einmal ein sehr großes Projekt, aber das ist nichts für mich. Musik ist für mich abstrakt und für einen Film ist sie programmatisch. Ich habe zwei, drei Jahre Musik für Werbespots gemacht und das war schrecklich. Ich habe ein paar Soundtracks für Dokumentarfilme gemacht - damals hatte ich noch nicht meinen Fairlight und ich brauchte damals auch das Geld, um den Fairlight zu bezahlen. Das war ein sehr schönes Projekt und die Musik war im Dienste des Films.

Andreas: Aber für einen Film wie z.B. "Star Wars" würdest Du keine Musik machen wollen oder vielleicht auch einen Oscar gewinnen?

Ed: Nein, nein! Ich wollte immer im Hintergrund bleiben. Ich mag diese Art von Arbeit nicht.

Andreas: Welche Musik hörst Du gerne privat?

Ed: Keine Synthesizermusik - ich mag Synthesizer im Kontext und einen Komponisten, den ich diesbezüglich mag, ist Eric Serra. Er gebraucht Synthesizer zusammen mit Orchester und das ist nach meiner Meinung wie es sein sollte und nicht wie andere nur Synthesizer. Das ist ein wenig fremd für mich.

Andreas: Wenn du einen Titel im Radio hörst, denkst Du gleich darüber nach, wie du ihn nachspielen könntest?

Ed: (lacht) Nein, ich denke nicht darüber nach, wie ich ihn nachspielen könnte, aber ich höre gleich wieviel Instrumente und welche meistens benutzt werden. Aber mit der heutigen Samplingtechnik hat sich das auch etwas geändert und ich mag das sehr gern. Man kann nicht mehr hören, ob es ein Oberheim, ein Arp oder ein Moog ist.

Andreas: Es ist also nicht so, daß du einen Titel von beispielsweise Michael Jackson hörst und dir Gedanken darüber machst, wie du ihn für "Synthesizer Spectacular Volume 5" coverst?

Ed: Da kann ich eine sehr kurze Antwort darauf geben: ich mache diese Arbeit nicht mehr.

Andreas: Schade. Das war auch eine Frage, die ich etwas später noch stellen wollte. Und wenn wir betteln auch nicht?

Ed: Nein, dann auch nicht.

Andreas: Kannst du dir vorstellen, ein Konzert mit deinen eigenen Kompositionen zu geben?

Ed: Ich habe früher Demonstrationen auf dem Musicom in Rotterdam gegeben, das war damals sehr populär und das war auch die Fairlight-Zeit. Aber heute - ich denke nicht. Ich finde, das Problem mit den Synthesizern ist, daß das meistens einen Automatismus mit sich bringt. Vielleicht werde ich noch mal Konzerte mit dem Piano geben, das wäre möglich, aber nicht nur mit einem Sequencer hier und einem Synthesizer da.

Andreas: Planst du derzeit ein neues Album mit eigenen Kompositionen?

Ed: Ja. Das ist wieder eine neue Periode. Die erste war die Zeit in der "Cristallin" entstand, die zweite war die Arbeit für ARCADE und dann hatte ich eine Ruhephase, in der ich mich für rund fünf Jahre nicht praktisch im Studio mit der Musik beschäftigt habe und jetzt kommt die frühe Zeit wieder zurück. Ich arbeite an vier sehr unterschiedlichen Projekten und das wird insgesamt so ca. drei Jahre dauern bis das fertig ist. Ich werde jetzt voraussichtlich im Herbst ein wenig im Studio arbeiten und ich habe jetzt endlich die Zeit, das zu machen und ich möchte auch sehr viel Zeit in die Projekte investieren. Ob es ein kommerzieller Erfolg wird, finde ich nicht wichtig. Es ist nur die Musik, die ich endlich einmal machen möchte.

Andreas: Die Streicher und die Blechblasinstrumente von "Back to the Future", "Battlestar Galactica" und anderen Titeln der "Music From Outer Space" klingen sehr dynamisch und kräftig. Wie hast du diese Sounds kreiert und weshalb hast du sie nicht auf den "Classical Masterpieces"-Alben verwendet?

Ed: "Battlestar Galactica" und andere waren meine eigenen Projekte, bei denen ich meine eigenen Instrumente benutzt habe und die klassischen Titel habe ich für ARCADE in einem anderen Studio gemacht, wo ich mit anderen Mitteln gearbeitet habe.

Andreas: Wurde das alles mit Synthesizern gemacht?

Ed: Nein. Die Filmthemen wie z.B. "Star Wars" sind alles sehr große Partituren und dort sind auch sehr viele Instrumente vertreten. Ich nahm dann in Holland den besten Trompetenspieler, den besten Hornspieler usw. und dann machte ich das Attack mit der Trompete, denn das ist mit einem Synthesizer sehr schwierig und klingt immer etwas gedämpft - zumindest zu dieser Zeit. Im Vordergrund sind also echte Instrumente zu hören und darunter sind dann die Synthesizer. Für die klassischen von Synthesizer Greatest benötigte ich auch echte Violen, Celli etc. und natürlich auch gute Musiker.

Andreas: Kannst du in etwa schätzen, wie viele CDs es mit deiner Musik gibt?

Ed: Nein... ich kann nur sagen, daß ich ungefähr 30 für ARCADE gemacht, über 100 unter Star Inc. veröffentlicht und noch ca. 70 andere Projekt gemacht habe. Also insgesamt ca. 200 Veröffentlichungen in Albumlänge. Ich habe ja aber auch sehr jung angefangen; ich war 15 und bin gleich ins Studio gegangen und ich war gleich im besten Studio.

Andreas: Können wir auf weitere Veröffentlichungen hoffen?

Ed: Ja, aber nicht mehr so Sachen wie "Synthesizer Greatest". Das hat man mich so oft gefragt, aber ich möchte das nicht mehr.

Andreas: Gibt es noch andere Pseudonyme wie "London Starlight Orchestra" oder "Hollywood Studio Orchestra", von denen wir evtl. noch nichts wissen?

Ed: Eddy Starr Singers mit dem großen Chor, Edgar Starink als Gitarrist in der Gruppe Gamma (Jazzrock-Gruppe) und Eddy Starr Orchestra. Vielleicht sind da noch mehr Pseudonyme, aber das weiß ich nicht.

Andreas: Gibt es Phillippe L'Auran wirklich oder ist das auch ein Pseudonym von dir?

Ed: Nein, das bin ich auch. Eine andere Plattenfirma hat einen anderen Namen gesucht und da habe ich nach Anleitung von einer Piano-CD Klavier gespielt. Die konnten nicht denselben Namen gebrauchen.

Andreas: Hast Du noch andere Hobbys außer Musik?

Ed: Mmmh, da muß ich erst nachdenken... nein, nicht wirklich etwas, womit ich mich täglich befasse.

Andreas: Auch kein Sport - Tennis oder Golf?

Ed: Nein, kein Sport.

Andreas: Hast oder hattest Du jemals Kontakt zu einem Künstler, den du gecovert hast?

Ed: Nein, ich glaube nicht. Nur einmal hat die Disques Dreyfus bei ARCADE angefragt, ob man nicht mit der Veröffentlichung von "Synthesizer Greatest" warten könne, bis die neue Platte von Jarre veröffentlicht wurde, damit ich einen Titel davon nachspiele.

Andreas: Wie arrangierst du die Musik? Hast du die Noten von den Titeln oder spielst du nach Gehör?

Ed: Du meinst die Titel von "Synthesizer Greatest"?

Andreas: Ja.

Ed: Ich nehme das Original und ich schreibe dann mit Kopfhörer alle Partituren.

Andreas: Du hörst das also alles heraus?

Ed: Alles. Ich filtere alle Teile des Titels im Kopf heraus - wenn ich also den Baß hören will, dann höre ich nur noch den Baß etc.

Andreas: Mußtest du dir immer die neuesten Platten von Jarre, Vangelis etc. kaufen oder bekamst du die von ARCADE gestellt?

Ed: Die habe ich von ARCADE bekommen. Die haben immer ein Tape mit den Songs geschickt, die ich nachspielen sollte.

Andreas: Hat also ARCADE bestimmt, was du spielen sollst?

Ed: Am Anfang nicht, aber später schon, da die Zusammenstellungen für Frankreich anders waren als z.B. für Spanien.

Andreas: Wenn man deine Interpretationen von "Jan Hammer"-Titeln mit den Originalen vergleicht, fällt auf, daß du oft eine fetzige E-Gitarre verwendet hast. Hat das einen bestimmten Hintergrund?

Ed: Ich wollte immer das Original respektieren, aber wenn ich etwas machen kann, um das Original zu verbessern, dann habe ich es getan. Aber immer mit Respekt vor dem Original. Aber das geht das eine mal gut und das andere mal nicht. Es ist schwer, hier eine Balance zu finden.

Andreas: Was denkst du über Jarre, Vangelis und Hammer?

Ed: Das sind drei sehr verschiedene Musiker. Ich mag Vangelis, weil er Musiker ist. Er sitzt und er spielt - das finde ich gut. Ich mag die Atmosphäre seiner Musik. Von Jan Hammer kenne ich nur die paar Titel, die ich gecovert habe; da kann ich leider nicht mehr darüber sagen. Und Jarre ist nicht meine Musik... das ist Show. Die Live-Konzerte von Jarre gefallen mir aber besser als die von Vangelis.

Andreas: Was denkst du über unsere Homepages?

Ed: Ich war erstaunt, wie viel Informationen es dort gibt, da ich auch nicht so bekannt bin. Ich kann sie aber nicht wirklich beurteilen, weil das nicht mein Metier ist.

Andreas: Und inhaltlich?

Ed: Nein, ich kann das nicht beurteilen... da muß man vielleicht 20-30 verschiedene Homepages gesehen haben. Ich sehe zum ersten mal eine Synthesizer-Homepage. Aber ich war erstaunt wie viel Information ihr zusammengetragen habt - mehr als wir hier.


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